Ponnsdorf: „Von Wasser, Eis und Mist“


Das Wandbild von Ponnsdorf erzählt von den lebendigen Bräuchen und dem unverwechselbaren Humor der Lausitz. Hier wurde das Leben gefeiert – mit Tradition, Zusammenhalt und einer guten Portion Schalk.

Einer der ältesten Bräuche ist das Osterwasserholen, bei dem junge Frauen in aller Frühe schweigend zum Bach zogen, um das segensreiche Wasser zu schöpfen – stets beobachtet von den Burschen, die mit ihren Streichen das Schweigen selten ungestört ließen.

Auch sonst fehlte es den Ponnsdorfern nicht an Einfällen: nächtliche Osterstreiche, mutige Aktionen am Leiterwagen und das fröhliche Treiben am Dorfteich erzählen von einer Gemeinschaft, die mit Witz, Mut und Herzlichkeit durch die Zeiten ging.

Das Wandbild hält diese Momente fest – ein buntes Zeugnis von Tradition, Lebensfreude und der besonderen Leichtigkeit, mit der man in Ponnsdorf das Leben nimmt.

Die Geschichte hinter dem Bild

In Ponnsdorf lebten die Menschen ihre Bräuche wie vielerorts in der Lausitz. Einer davon war das Osterwasserholen, ein alter wendischer Brauch, der vor allem von jungen Frauen gepflegt wurde.

Noch vor Sonnenaufgang am Ostersonntag zogen sie mit Krügen zum Ponnsdorfer Graben, der als einzigster nach Osten floss. Schweigend schöpften sie dort das klare Wasser und trugen es, ohne ein Wort zu sagen, nach Hause.

Man glaubte, dass dieses Wasser Gesundheit, Jugend und Schönheit bewahren könne, doch nur, wenn man das Schweigen hielt. Denn wer sprach oder lachte, dessen Wasser verwandelte sich in „Plapperwasser“ und wurde wirkungslos.

In Ponnsdorf jedoch wurde das Schweigen selten eingehalten, denn die Burschen des Dorfes kannten den Weg der Mädchen nur zu gut. Versteckt hinter Hecken oder am Bachufer lauerten sie, bereit, mit lautem Krach oder einem Scherz das Schweigen zu brechen. Ein kichernder Aufschrei genügte, und der Zauber war dahin.

Osternacht und Schabernack

Für die jungen Männer war die Osternacht ohnehin kurz. Noch vor Mitternacht, bevor das Osterfeuer entzündet wurde, wollten sie ihre Streiche ausüben. Man erzählt sich, dass sie einmal einen Leiterwagen in alle Einzelteile zerlegten, ihn auf das Dach einer Scheune hievten, dort wieder zusammenbauten und mit Mist füllten.

Auch fanden einmal die mühsam gebundenen Reisigbündel, die eigentlich für den Backofen bestimmt waren, ein anderes Ende: Sie wurden kurzerhand für das Osterfeuer entwendet. Am Morgen stand dann der betroffene Bauer vor der Glut, zählte die zurückgebliebenen Drahtringe und stellte den üblichen Verdächtigen eine Rechnung aus.

Leben am Teich

Viel des Dorfleben spielte sich am Ponnsdorfer Teich ab. Früher diente er der Fischzucht, später wurde er auch zum Zentrum des Dorfvergnügens. Im Winter, wenn das Eis dick genug war, verwandelte er sich in ein Eisstadion. Unter Flutlicht wurden dort gut besuchte Eishockeyturniere ausgetragen.

Die alten Brauereien in der Umgebung holte hier im Winter große Eisblöcke für die Kühlung ihrer Lagerkeller. Und am Rand des Teiches stellten Vogelhändler ihre Leimruten auf, um Singvögel zu fangen. Nicht selten machten ihnen jedoch die Schulkinder einen Strich durch die Rechnung. Auf dem Weg zum Unterricht entfernten sie die klebrigen Fallen.

Alle Geschichten basieren auf den Erzählungen der jeweiligen Dorfbewohner.

Über Ponnsdorf

Ponnsdorf ist ein kleines, idyllisches Dorf in der Niederlausitz, umgeben von Feldern, Wäldern und Teichen. Das Dorf bewahrt bis heute seine ländliche Ruhe und den Charakter einer gewachsenen Dorfgemeinschaft. Traditionen und Bräuche – wie das Osterwasserholen oder das gemeinsame Feiern am Teich – sind hier lebendig geblieben und prägen das Miteinander. Ponnsdorf steht damit beispielhaft für die heitere, bodenständige Lebensart der Lausitz.