Göllnitz: „Die Lüttchen und der Bär“


Das Wandbild erzählt von der Geschichte, den Sagen und dem Dorfleben in Göllnitz. Der Hirsch verweist auf den sorbischen Ortsnamen und die früheren Jagdwälder. Im Mittelpunkt stehen die geheimnisvollen Lüttchen, die hilfsbereiten kleinen Wesen aus den Lüttchenbergen, sowie regionale Bräuche wie das österliche Eierrollen. Humorvolle Erinnerungen an einen Zirkusbären und den strengen Dorfschullehrer ergänzen das Bild der örtlichen Erzähltradition.

Der Hirsch

Der Name Göllnitz (niedersorbisch Jelence) bedeutet Hirsch. Noch heute ist der Ort von Wald umgeben. Früher jedoch, vor der Melioration und dem Bergbau, waren diese Wälder große fast undurchdringbare Mischwälder. Viele Herrschaften kamen, um in ihnen zu jagen. Zu der Zeit, als Göllnitz zu Sachsen gehörte, ritt auch August der Starke regelmäßig in diesem Gebiet um Hirsche zu erlegen.

Die Lüttchenberge

Am Ortsausgang Göllnitz, Richtung Bronkow, befinden sich noch heute die Lüttchenberge: zwei Hügel im Kiefernwald versteckt. In diesen wohnen kleine Wesen, die von den Lausitzern liebevoll Lüttchen genannt werden.

Bei Vollmond, so erzählt man sich, kämen sie heraus, um ihre Feste zu feiern. Manch einer glaubt nur diejenigen könnten sie dabei beobachten, welche in einer Vollmondnacht an einem Sonntag in der Stunde um Mitternacht geboren wurden.

Als wiedereinmal ein Fest gefeiert wurde, schaffte es eines der Lüttchen nach der Feierstunde nicht in den Berg zurück. Die Feierstunde ward immer nur zwischen Mitternacht und ein Uhr. Es entzog sich dem Fest, um die Menschensiedlung zu beschauen und vergaß darüber die Zeit.

Als die Kirchglocke zur ersten Stunde schlug, hatte es das Tor zum Hügel längst nicht erreicht. Das Lüttchen suchte verzweifelt nach einer Möglichkeit, in sein Heim zu kommen, doch der Berg blieb verschlossen. So schlief es irgendwann ein.

Am Morgen wurde es von einem Knecht gefunden. Er setzte es in seinen Hut und behütete es bis zur nächsten Vollmondnacht. Dabei achtete er genau darauf, dass kein anderer es zu Gesicht bekäme. Bevor das Lüttchen zum Vollmond heimkehrte, hinterließ es dem Knecht einen großen Klumpen Gold. Dieser fand den Schatz an der Stelle, wo er auch das Lüttchen geborgen hatte. Von dem Gold kaufte er sich einen Hof in der Ferne und gründete eine Familie.

In den 1970ger Jahren holten sich die Göllnitzer regelmäßig Kies zum Bauen von den Lüttchenbergen und auch die Kinder vertrieben sich dort die Zeit. Zum Beispiel bauten sie sich Tunnel. In solch einen wagte sich ein besonders Waghalsiger von ihnen, doch stürzte das Bauwerk über ihm ein. Die Freunde gerieten in Panik und wollten Hilfe holen, doch der Weg zum Dorf war allzu weit. Der Bursche wäre unterdes jämmerlich erstickt!

Zum Glück entschied der Älteste unter ihnen, man möge sofort anfangen zu graben, sodass zu guter Letzt, die Geschichte noch ein gutes Ende fand.

Nicht ganz so waghalsig gestaltete sich der slawische Brauch des Eierrollens um die Osterzeit. Die Kinder bauten Bahnen in die Kieskeite und ließen die gefärbten und mit Wachs und Federkiel bemalten Ostereier den Berg hinunterkugeln. Der mit dem schnellsten Ei gewann die Partie.

Der Guschener Berg

Der Guschener Berg liegt auf dem Waldweg von Göllnitz nach Finsterwalde. Die Bauern fuhren früher dort entlang, um ihre Geschäfte in Finsterwalde zu erledigen. Einst verspätete sich einer von ihnen, sodass er den Wald in der Dunkelheit durchqueren musste. Als er am Guschener Berg war, erschienen ihm kleine Lichter. Obwohl er die Pferde in Richtung Heimat lenkte, gehorchten sie nicht, sondern folgten dem Licht.

Als der Wagen schließlich stoppte, ward der Bauer von lauter Lüttchen umgeben. Sie baten ihn, eines der Ihren unter einem umgefallenen Baum hervorzuziehen. Der Mann rettete das kleine Männchen und zum Dank, brachten ihn die Lüttchen nicht nur auf den rechten Weg zurück, sondern halfen jedem, dessen Pferde sich am besagten Berg abmühten. Sie schoben dann mit vereinten Kräften das Gefährt hinauf.

Eines Tages packte einen Kutscher die Neugier und er ergriff ein Lüttchen. Seither muss ein jeder seinen Wagen wieder mit eigener Kraft über den Berg bringen.

Der Bär

Es gastierte ein Wanderzirkus in Göllnitz. Der prahlerische Dompteur wettete mit Schadocks Kurt, er könne den Zirkusbären nicht umhauen. Dieser packte den Bären an den Füßen und legte ihn um.

Der Dompteur rückte erst mit den versprochenen 20 Mark heraus, als ihm mit den Fäusten gedroht wurde. Das besagte Geld wurde dringend zur Versorgung der entstandenen Wunden gebraucht.

Der Rohrstock

Der Lehrer Jakubasch verhaute damals einen Schüler so sehr mit dem Rohrstock, dass dieser zersprang und ein Teil von ihm im Bismarckportrait stecken blieb.