Gröbitz: „Das verlorene Mädchen“


Das Wandbild von Gröbitz erzählt von Licht und Schatten im dörflichen Leben vergangener Zeiten. Es erinnert an das Schicksal der jungen Marie Deutschmannin, deren Lebensweg ein Beispiel für die harte Wirklichkeit vieler Frauen früherer Jahrhunderte ist – von Abhängigkeit, Ungerechtigkeit und gesellschaftlicher Verurteilung.

Doch das Bild zeigt auch, wie das Dorf im Laufe der Zeit seine Lebendigkeit bewahrte: die Neugier der Gröbitzer Jungen, die sich der Vogelkunde verschrieben, den fröhlichen Schabernack in den Osternächten und die kunstvoll verzierten wendischen Ostereier, die bis heute Sinnbild für Hoffnung und Zusammenhalt sind.

So wird in Gröbitz Geschichte lebendig – mit all ihren Brüchen, ihrem Witz und ihrer Wärme.

Die Geschichte hinter dem Bild

Das verlorene Mädchen

Im Jahr 1697 fand ein junges Mädchen aus Gröbitz eine Anstellung als Dienstmagd in der Mühle zu Pießig. Ihr Name war Marie Deutschmannin. Sie arbeitete dort hart, doch nach einiger Zeit wurde sie von ihrem Dienstherren schwanger.

Die körperliche Arbeit, die Angst und die fehlende Unterstützung setzten ihr zu. Das Kind kam zu früh. In ihrer Verzweiflung legte Marie das Neugeborene in den Mühlenbach. Das Wasser trug es fort.

Als die Tat bekannt wurde, traf die Strafe nur sie. Marie wurde öffentlich ausgepeitscht und musste die Gegend verlassen. Der Müller, der Vater des Kindes, musste sich lediglich von seiner Tat lossagen und blieb unbehelligt.

Diese Geschichte steht beispielhaft für das Schicksal vieler Frauen in früheren Jahrhunderten.
Eine uneheliche Schwangerschaft bedeutete gesellschaftliche Ächtung, Armut und Ausgrenzung. Ob gezwungen oder aus freien Stücken trugen fast immer die Frauen die Verantwortung allein.

Noch lange prägten ähnliche Geschichten das Leben. Bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gibt es Berichte von heimlichen Geburten, ausgesetzten Kindern und Müttern, die zurückgezogen und unter schwierigen Bedingungen ihr Leben fristeten. Die moralischen Vorstellungen der Gesellschaft ließen kaum Raum für Verständnis oder Mitgefühl.

Das Leben im Wandel

In den 1960er Jahren widmeten sich die Gröbitzer Jungen mit großem Eifer der Vogelkunde. Sie sammelten Eier, pflegten verletzte Tiere und zogen Küken auf. Was als kindliche Neugier begann, wurde bald zu echtem Ehrgeiz. Einmal entdeckten sie das Nest eines seltenen Vogels hoch oben in einem Baum. Da sie den Stamm nicht erklimmen konnten, beschlossen sie kurzerhand, ihn umzusägen.

Außerdem wurde ein Storch nach seinem Ableben ausgestopft und präsentiert.

Bräuche und Gemeinschaft

In der Osternacht, zwischen Samstag und Sonntag, blieb bis zum Entzünden des Osterfeuers um Mitternacht genug Zeit für Schabernack. Es war auch in Gröbitz üblich, Zäune abzubauen, Scheunentore auszuhängen oder Fenster mit Ziegelsteinen zu verbauen, so auch an der alten Schule.

Zur Vorbereitung des Osterfestes wurden an vielen Orten in der Niederlausitz Ostereier mit Wachs und Federkiel bemalt und gefärbt. Die Eier mit den typisch wendischen Mustern und Farben waren Träger von guten Wünschen und Hoffnungen. Es war von Bedeutung, wer wem ein Ei schenkte, denn jedes konnte eine kleine Botschaft sein. 

In Gröbitz war es besonders Frau Zöllner, die diese Kunst zur Meisterschaft brachte.
Ihre aufwendig gestalteten Eier wurden prämiert und auf Messen ausgestellt. 

Quelle: Mühlenchronik Pießig

Über Gröbitz

Gröbitz ist ein Ortsteil der Gemeinde Massen-Niederlausitz im Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg. Der Ort wurde 1418 erstmals urkundlich erwähnt, wobei der Name vom niedersorbischen Wort „grobla“ für „Wassergraben“ abgeleitet ist, was auf eine an einem Graben angelegte Siedlung hindeutet.

Die Dorfgemeinschaft in Gröbitz ist besonders aktiv und engagiert sich regelmäßig für ihren Ortsteil, beispielsweise beim Erhalt des Dorfteiches, dem Bau eines neuen Rastplatzes oder rund um das Dorfgemeinschaftshaus.