Sallgast: „Unser Dorf bleibt“


Das Wandbild erzählt die Geschichte Sallgasts und der Niederlausitz: von der Besiedlung durch die slawischen Lusizi über Schloss, Raubritter und regionale Sagen bis zum Braunkohlebergbau.

Im Mittelpunkt stehen die sorbische Kultur, der Wandel der Landschaft durch den Bergbau sowie der mutige Widerstand der Einwohner, der Sallgast 1989 vor der Abbaggerung bewahrte. Motive wie Wasser, der riesige Hecht, Irrlichter und andere Sagengestalten verbinden historische Ereignisse mit der regionalen Überlieferung.

Die Lusizi

Vom 4. bis 6. Jahrhundert wanderten die germanischen Stämme aus der Lausitz in Richtung des Weströmischen Reichs ab. Ab dem 7. Jahrhundert nahmen slawische Stämme die weitestgehend leeren Gebiete in Besitz. Ein Stamm waren die Lusizi, die vor allem in der Gegend um das heutige Cottbus siedelten und für beide Lausitzen namensgebend wurden.

Sallgast entstand in jener Zeit als unbefestigtes Dorf in der Nähe von Wasser. Es wies eine typische slawische Siedlungsstruktur auf. Zum Ende des 8. Jahrhunderts begann das Fränkische Reich, sich nach Osten auszudehnen. Die Lusizi wurden beispielsweise 932 durch Heinrich I. unterworfen.

Slawenaufstände wie 963 oder 1066 hielten die Inbesitznahme immer wieder auf. Die Christianisierung und damit die neuen Herrschaftsverhältnisse setzten sich erst im 12. Jahrhundert durch, wobei die sorbische Sprache und das Brauchtum erhalten blieb. Der deutsche Kaiser und böhmische König Karl IV. ordnete in seiner Regierungszeit das deutsche Kaiserreich neu und schlug beide lausitzer Markgrafschaften der böhmischen Krone zu, wo sie bis zum Prager Frieden 1635 blieben.

Kultur und Identität

Mit der zunehmenden Industrialisierung ab Ende des 19. Jahrhunderts nahm der Einfluss der deutschen Sprache und Kultur zu. Eine Zäsur bildete die Zeit des Nationalsozialismus. Aus Angst vor ethnischen Säuberungen wurde ganz viel Brauchtum aufgegeben und die sorbische Kultur verschwand beinahe.

Die DDR schmückte sich gelegentlich mit den slawischen Bräuchen, doch sollten die Sorben unbedingt sozialistische Persönlichkeiten sein. Es gab im Raum Sallgast nach dem Zweiten Weltkrieg wieder sorbische Gottesdienste, aber in den 1960ger Jahren fand man dafür keine Pfarrer mehr und auch die verstehende Zuhörerschaft wurde rar. Nach und nach identifizierten sich die Menschen in der Gegend mit dem Bergbau und bildeten neue Traditionen.

Mit Einstellung des Kohlebergbaus verliert sich auch diese Identifikation wieder. Es ist viel Wissen und Kulturgut der Niederlausitzer verloren gegangen, doch hat man jetzt die Chance diese Lücke in der Identität durch Forschung, Aufklärung und Wiederbelebung wieder zu füllen.

Das Schloss und seine „Insassen“

Um 1400 lebte der Raubritter Hans von Waldow auf dem Schloss in Sallgast. Er war ein bis Görlitz gefürchteter Raubritter. Alle ritterlichen Sagen um Sallgast dürften sich um ihn ranken. Zweihundert Jahre später besaß die Adelsfamilie von Maltitz das Schloss und erlebte dort den Dreißigjährigen Krieg.

In diesem Krieg wurde Sallgast mehrfach geplündert und verwüstet, einmal wurde der Ort ironischer Weise im Namen des Kaisers von kroatischen Reitern, den Crabaten heimgesucht, die Crabaten waren auch Namensgeber für die Lausitzer Sage des „Krabat“.

Da das Wasserschloss nicht eingenommen werden konnte, zerstörten die Söldner das umliegende Dorf. Bernhard von Rohr übernahm das Schloss 1650 und baute das Dorf sukzessive bis circa 1720 wieder auf.

„Eingabe `89“

Heute gehört auch Klingmühl zur Gemeinde Sallgast und wie viele umliegende Dörfer wurden auch Klingmühl und Sallgast durch die DDR Diktatur zur Auslöschung durch den Bergbau freigegeben. Trotz des vehementen Widerstands mussten die Klingmühler ihre Häuser verlassen, noch heute erkennt man die einst angelegten Obstwiesen mancher Höfe.

Der Wirt des Gasthauses, welches der zentrale Ort des Protestes war, blieb jedoch und erhielt später eine staatliche Auszeichnung für seine Standhaftigkeit.

Mit dem Stopp der geplanten Kohleförderung blieb Klingmühl zwar von Baggern unberührt, doch dauerte es zu viele Jahre, bis die Anträge auf Rückzug und Reanimierung des Bebauungsplanes griffen und die Einheimischen ihre Höfe wieder hätten beziehen können. Die Häuser waren inzwischen unbewohnbar und ihre Besitzer zu alt, um in ihre Heimat zurückzukehren.

In Sallgast diente die Kirche als Versammlungsort um sich den Plänen der DDR Kader zur Kohleförderung zu widersetzen. „4 Köpfe“ führten derzeit die Bewegung an.

Die mit Repressionen einhergehende Sallgaster Zivilcourage, der ungebrochene Wiederstand und die „Eingabe `89“, der damals offizielle Antrag zur Verschonung von Sallgast, überschnitten sich auch mit dem politischen Umbruch. So stehen heute glücklicherweise die „4 Köpfe“ mit ihrer „Eingabe `89“ für die Rettung des Dorfes im Jahr 1989.

Heute ist die weltweit größte transportable Förderbrücke, genannt „F60“ ein Mahnmal und Aussichtspunkt am Bergheider See, der letzten gefluteten Kohlegrube im Landkreis Elbe Elster.

Das Wasser

Wasser, Quellen und Moore bestimmten einst die Landschaft um Sallgast. Die Quellen speisten auch die Gräben der umliegenden Dörfer und selbst das Schloss umgab ein mit Wasser gefüllter Schutzgraben. Die Melioration und der Bergbau machten in den 1960ger Jahren aus dieser fruchtbaren, aber nassen, dem Spreewald ähnelnden Gegend, das bis heute von Ackerbau und Bergbau geprägte meist trockene Land.

Der Hecht

Zu Sallgaster Raubritterzeiten züchtete ein Müller Karpfen im Poleyer Oberteich. Nach und nach verschwanden jedoch die Fischlein und ein riesiger Hecht wurde stattdessen gesichtet.

Der Müller versuchte den Übeltäter zu entnehmen, doch ohne Erfolg. Auch alle Fischer der Umgebung versagten. So sah sich der Schlossherr gezwungen einen Beutel voller Gold als Belohnung für den Fang des Hechtes auszusetzen.

Das animierte nun auch den Müllergesellen. Er ließ sich einen übergroßen Fischhaken und ein dazugehöriges dickes Hanfseil anfertigen und nähte sich in Fischhäute ein. Er legte sich als Köder in den Teich und als der Hecht auf seine vermeintliche Beute zusprang, stieß der Geselle ihm den Haken tief ins Maul. Vom Ufer aus zogen die Helfer den schweren Fang an Land.

Die Sallgaster speisten noch lange von dem Fisch und der Geselle wurde ein reicher Mann.

Ritter am Strick

Im Mittelalter gab es einen Gerichtsstreit zwischen dem Bauer Keil und einem Sallgaster Ritter. Der Streit kam bis zum obersten Gericht in Prag, dort gab man dem Bauern Recht.

Der Ritter fuhr nach der Urteilsverkündung mit seinem Wagen Heim, der Bauer war zu Fuß unterwegs. Als es dunkelte, lud der Ritter ihn zur Versöhnung ein, bis Sallgast bei ihm mitzufahren. Keil willigte ein. Aber als der Kutscher in einem finsteren Waldstück hielt, erstach der Ritter den Bauern.

In der Heimat verkündete er, man habe den Bauer Keil in Prag in den Kerker gesperrt. Der Kutscher, als einziger Zeuge der Mordtat, wurde bald sehr krank. Auf seinem Totenbett gestand er die Schandtat des Ritters, der daraufhin zum Tode durch den Strang verurteilt wurde.

Zu jener Zeit war es jedoch Sitte, solch ein Urteil nur bei ärmeren Leuten zu vollstrecken, der Ritter musste lediglich für immer den Strick symbolisch um den Hals tragen. In der Sallgaster Kirche erinnert bis heute ein Steinrelief an die Geschichte.

Die Littiche

Das Gebäude der örtlichen Feuerwehr befindet sich auf dem Galgenberg. Dieser wurde von den Schlossherren im Mittelalter als Richtplatz genutzt. Im Galgenberg werden die Littiche (kleine Wesen) vermutet, denn ein jeder, der dort grub, fand Tellerchen, Schüsselchen und allerhandhauswirtschaftliches im Kleinformat.

Die schwarze Katze

Ein armer Mann suchte einst nach der Möglichkeit, zu Geld zu kommen. Als letzten Ausweg steckte er seine Katze in einen Sack und lief um Mitternacht dreimal um die Sallgaster Kirche.

Da erschien eine Gestalt, die von ihm den Sack samt Katze forderte. Der Mann tat, wie ihm geheißen und ging nach Haus. Am nächsten Tag fand er einen Taler in seiner Tasche. Er kaufte sich damit etwas zu Essen, doch als er nach Haus kam, war der ausgegebene Taler erneut bei ihm. Und so ging es immerfort.

Die Leute wurden bald misstrauisch und gaben ihm nun nichts mehr für sein Geld, auch mieden sie ihn aus Angst vor dem Teufel, mit welchem der Mann sicher in Verbindung getreten war. So verarmte und vereinsamte der Mann trotz seines Talers und als er verstarb zeichneten die Sallgaster drei Kreuze mit Ruß an seine Tür, das Haus verfiel, ohne das jemals einer seinen Fuß wieder hineinsetzte.

Ein Topf mit Gold

Ein anderer Mann verirrte sich des Nachts und bat die Irrlichter, ihm den Wegnach Haus zu leuchten. Dafür wolle er ihnen drei Kreuzer geben. Als der Mann fast zu Hause war, vertröstete er die Irrlichter auf ein andermal. Daraufhin führten ihn diese in die Irre.

Vollkommen erschöpft schlief er schließlich am Pfaffenteich ein. Am Wagnerschen Mühlteich sieht man heute noch manchmal die Irrlichter. Es wird erzählt, dort wo sie sich tummeln, sei ein Topf mit Gold vergraben. Jeder, der ihn herausholen wollte, steckte am Ende tief im Schlamm, ohne den Schatz gefunden zu haben.