
Breitenau: „5000 Jahre Siedlungsgeschichte“
~ von Mönchen, Raubrittern und Torf ~
Breitenau ist ein Dorf mit Geschichte – und Geschichten. Schon vor 5000 Jahren lebten hier Menschen, deren Werkzeuge aus Feuerstein noch heute von einer fernen Vergangenheit zeugen. Aus den Funden, Sagen und Erinnerungen formt sich ein lebendiges Bild eines Ortes, der sich immer wieder neu behauptete.
Von den mutigen Dorfbewohnern, die sich gegen Raubritter zur Wehr setzten, über die Legende vom treuen Drachen bis zu den Störchen, deren Nest einst ein Scheunendach zum Einsturz brachte – Breitenau hat viele Gesichter. Auch schwere Zeiten, wie der umstrittene Klärwerksanschluss in den 1990er-Jahren, prägen das kollektive Gedächtnis.
Das Wandbild erzählt von dieser Vielfalt: von uralten Spuren, standhaftem Mut, gelebtem Zusammenhalt und der typisch breitenauerischen Freude, selbst im Winter mit einem halben Wasserfass den Hügel hinunterzujagen.
Die Geschichte hinter dem Bild
Spuren aus der Steinzeit
Schon vor 5000 Jahren war das Gebiet des heutigen Breitenau wahrscheinlich besiedelt. Der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger M. Rothe entdeckte Werkzeuge aus Feuerstein und Werkabfälle, die er der Jungsteinzeit zuordnete. Auch seine bronzezeitlichen Funde und Hinweise auf germanische Siedlungen zeigen,- dass die Geschichte dieses Ortes tiefer reicht, als man auf den ersten Blick vermutet.
Erstmals urkundlich erwähnt Die erste schriftliche Erwähnung von „Breytenaw“ stammt aus dem Jahr 1383, als das Dorf im Besitz von Claus Gebhart war. Am 24. Dezember des gleichen Jahres verkaufte er es an das Kloster Dobrilugk. Die Mönche nutzten die Kirche Breitenaus für ihre regelmäßigen Andachten auf dem Weg nach Fürstlich Drehna.
Mutiger Widerstand gegen Raubritter Eine der ältesten mündlich überlieferten Geschichten erzählt von einem Überfall durch Raubritter. Die Bewohner von Breitenau ergaben sich nicht. Mit Mut, Mistgabeln und Werkzeugen verteidigten sie ihr Dorf und trieben die Eindringlinge erfolgreich in die Flucht. Eine Heldentat, die bis heute im Ort erzählt wird.
Der Drache von Breitenau Eine ganz besondere Legende erzählt von einem Drachen, der einst in einer Hütte bei seiner Herrin lebte. Als diese nach Möllendorf zog, soll er ihr treu über die Felder gefolgt sein. Eine Geschichte, die bis heute in Kinderzimmern und Dorfgesprächen weiterlebt.
Störche und schwere Nester Auf dem größten Gut des Dorfes, dem der Wienigks, nisteten jedes Jahr Störche. Doch in den 1960er-Jahren wurde das Nest so schwer, dass es das Dach der Scheune zum Einsturz brachte.
Torf Zum Heizen stachen die Menschen früher Torf im angrenzenden Moor, eine schweißtreibende, aber notwendige Arbeit.
Der teure Anschluss – ein dunkles Kapitel In den 1990er-Jahren wurde in Lindena ein überdimensioniertes Klärwerk gebaut. Um seine Auslastung zu sichern, zwang man auch entferntere Orte wie Breitenau zum Anschluss mit drastischen Folgen: Existenzverluste, der Verkauf landwirtschaftlicher Flächen, Schulden, um die enormen Kosten schultern zu können. Trotz Protesten und Sammelklagen wurde das Projekt durchgezogen. Noch heute spricht man im Raum Sonnewalde vom „teuersten Abwasser Deutschlands“.
Als Protest zogen die Bewohner öffentlichkeitswirksam symbolisch aus ihrem eigenen Dorf aus – ein stiller Schrei nach Gerechtigkeit.
Winterfreuden auf Breitenauer Art: Wenn Schnee fällt, wird Breitenau zur Rodelhochburg. Ob Paletten, Bleche oder sogar ein halbiertes Wasserfass, nichts ist hier vor dem Umbau zum Schlitten sicher. Eine wilde Fahrt mit dem Wasserfass führte sogar zu einer Delle im Ortsschild. Sie ist noch heute ein beliebtes Fotomotiv für Besucher.
Quelle: „Finsterwalder Heimatkalender“; M. Rothe und Th. Trodler; Verein der Freunde zur Förderung der Heimatschrift 2013

Über Breitenau
Breitenau ist ein kleiner Ortsteil der Stadt Sonnewalde im Landkreis Elbe-Elster in der Niederlausitz. Das Dorf liegt ruhig inmitten von Feldern und Wiesen und ist geprägt von ländlichem Charme und engem Gemeinschaftsleben. Besonders aktiv ist die örtliche Freiwillige Feuerwehr, die auch an Feuerwehrsportwettkämpfen teilnimmt.