
Brenitz: „Zwischenhalt Brenitz“
~ von Napoleon, Breschnew und Fallschirmspringern~
Das Wandbild erinnert an die bunte Mischung aus Ernst und Humor, Geschichte und Dorfklatsch – an das Brenitz, das immer in Bewegung blieb und doch seinen besonderen Charakter bewahrte.
Die Geschichte hinter dem Bild
Der Bahnhof von Brenitz thront wie ein Dreh- und Angelpunkt über der Geschichte des Dörfchens. Schon vor der Erfindung der Eisenbahn wimmelte es in Brenitz von Geschichten von Durchreisenden und Begegnungen: 1813 zogen französische Soldaten Richtung Luckau. Auf ihrem Weg passierten sie Zeckerin, suchten Vorräte und Vieh. Ein Redseliger verriet ihnen, dass sich die Einwohner in der sumpfigen Rohrhecke zwischen Zeckerin und Brenitz versteckt hielten.
Wenn Gefahr drohte, suchte man Schutz auf den wenigen trockenen Stellen. Also zog eine Abteilung der Franzosen in die Rohrhecke, dabei versanken einige Reiter in den Sumpflöchern. Die Dörfler hörten Hilferufe, berieten sich kurz und eilten den Soldaten zu Hilfe. Nachdem die Franzosen versprochen hatten, umliegende Dörfer nicht zu plündern, halfen ihnen die Brenitzer aus dem Morast. Und die Franzosen hielten ihr Wort.
Es gibt auch eine „Napoleoneiche“, von der man erzählt, dass Napoleon dort gerastet habe, vermutlich aber nicht während der Luckauer Schlacht, denn diese schlug General Oudinot für ihn, doch die Legende bleibt.
In den 1920er Jahren gründeten die Brenitzer eine erfolgreiche Theatergruppe. Während des Zweiten Weltkriegs fiel es den Akteuren schwer, passende Kostüme zu beschaffen. Einmal landete neben dem Dorf ein Bataillon Fallschirmspringer, und in einer nächtlichen Exkursion stahlen die Laienschauspieler die liegengebliebenen Fallschirme, um Stoffe für ihre Kostüme zu beschaffen. Die Theatergruppe existierte bis in die 1950er Jahre. Heute sorgen die Funkemariechen und das Männerballett wieder für Aufregung.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs stand im Brenitzer Bahnhof ein Güterwagon mit reichlich Munition. Aus Sorge, die Russen könnten ihn erreichen, wurde die Sprengung des Gefahrenguts im Waldstück in der Nähe veranlasst.
Später musste ein Staatszug mit Leonid Illitsch Breschnew an Bord überraschend in Brenitz halten. Auswirkungen auf den Ort sind nicht bekannt.
Der Bahnhof diente auch der Bierbeschaffung. Nicht nur in Brenitz herrschte in DDR-Zeiten ein chronischer Mangel an wohlschmeckenden Bieren; wenn ein Güterzug mit der begehrten Ware zum halten kam, zögerten die Anwohner nicht, sich ein oder zwei Getränke zu sichern.
Der Brenitzer Glockenturm hat eine unglückliche Geschichte: Die Dorfbewohner bedienten sich am Zementvorrat, weshalb der Mauermörtel mager blieb. Als der Turmbau fertig war und die Glocke aufgehängt werden sollte, riss das Bauwerk — die Glocke musste wieder runter. Seitdem steht sie ebenerdig vor dem Gebäude. Weniger Unheil brachte das gelegentliche Entnehmen von Enten aus dem LPG-Zuchtteich.
In der damaligen Brenitzer Schule gab es einst einen berüchtigten Lehrer, bekannt für seine Grobheit, machte den Zöglingen das Leben schwer. Die Klasse sann auf Vergeltung. Sie kannten den Pflaumenbaum umstandenen Heimweg des Lehrers. Da die Ernte nahte, versteckte sich der Geprügelte im Baumwipfel eines Baumes, um im Moment des Mundraubs beherzt zu urinieren.
Quelle: „WeiterSagen von Generation zu Generation“;Dr. R. Ernst; Verein der Freunde und Förderer des Kreismuseums Finsterwalde e.V. 2015

Über Brenitz
Brenitz ist ein kleiner Ort in der Niederlausitz, einer Region im Süden Brandenburgs, die für ihre weiten Wälder, Seen und landwirtschaftlich geprägte Landschaft bekannt ist. Das Dorf liegt ruhig inmitten der typischen Lausitzer Natur, geprägt von Feldern, Kiefernwäldern und teils sanften Hügeln.
Die Gegend verbindet traditionelle dörfliche Strukturen mit der Nähe zu größeren Städten wie Finsterwalde oder Doberlug-Kirchhain. Historisch und kulturell spiegelt Brenitz wie viele Orte der Niederlausitz sorbische Einflüsse und eine enge Verbundenheit zur regionalen Bergbaugeschichte wider.