Lieskau: „Der Klingelmann“


Das Wandbild erzählt mit viel Humor vom früheren Dorfleben und Brauchtum in Lieskau. Es zeigt den Klingelmann als Nachrichtenüberbringer, die Sage vom vermeintlichen „Dreibeen’gen Bläk“, ausgelassene Streiche in der Osternacht sowie originelle Fastnachts- und Tanztraditionen. Damit erinnert es an den Humor, den Gemeinschaftssinn und die lebendige Festkultur des Dorfes.

Der Klingelmann

In den niederlausitzer Dörfern wurden die Nachrichten früher vom Klingelmann überbracht und stellte man einen neuen Überbringer ein. So hatte dieser in jedem Haus einen Schnaps zu trinken.

Es geschah, dass ein junger Bote sich wiedermal der Prozedur unterziehen musste, als er dann in der Ausführung seines Amtes, nach dreimaligem Läuten seiner Glocke ein „Gesundes Neues!“ verkündete, so verstanden die Lieskauer, auf Grund der vom Alkohol beschwerten Zunge, „Auf der BHG gibt`s Kleie!“, diese war so selten zu bekommen, dass ein jeder sich auf den Weg machte, um selbige zu ergattern.

Das „Dreibeen`ge Bläk“

Es trug sich zu, dass ein Lieskauer nach Sallgast zum Bäcker lief. Hinter sich zog er eine einrädrige Karre, denn er wollte in Sallgast Mehl für den weihnachtlichen Stollen kaufen. Er war spät dran, sodass er auf dem Rückweg von der Dunkelheit überrascht wurde.

Auf seinem Weg war er gezwungen, den neuen Teich zu passieren. Von diesem erzählte man sich, dass das „Dreibeen`ge Bläk“ dort sein Unwesen trieb. Als er den Teich passierte, kippte die Karre und ward auf einmal schwerer. So dachte er, dass das „Bläk“ aufgesprungen sei und rannte unter Todesangst mit der Karre nach Haus.

Dort angekommen rief er seine Frau, sie solle nach der beiseite geworfenen Karre auf dem Hof sehen, sie gehorchte und attestierte ihrem Mann nüchtern ein abgefallenes Rad, statt eines „Bläks“.

Die Osternacht

Der Schabernack in der Osternacht war auch in Lieskau brauch. Die Jugend sorgte hier für Verwunderung, indem sie den Hühnerstall eines Bewohners kurzerhand auf die Straßenkreuzung verlagerte. So bediente sich am Morgen das ganze Dorf an den frisch gelegten Eiern.

In eben solch einer Nacht, schlich man in den Garten eines Anderen und platzierte dessen Gewächshaus keck vorm Kircheneingang. Die Gläubigen passierten nun erst das Pflanzenhaus, bevor sie der Andacht des Ostergottesdienstes lauschen konnten. Für ähnliche Verwunderung sorgte einmal eine gedeckte Tafel im Portal.

Jedes Jahr aufs Neue, wurde das Plumpsklo eines Lieskauers versetzt. Dieser kam in den seltenen Genuss, nach langer Suche sein ostermorgendliches Geschäft immer an einem anderen Ort verrichten zu dürfen.

Die Rakete

Zum Fastnachtsumzug in den 70ger Jahren wollte man am Weltgeschehen teilnehmen, indem ein Heuhäcksler zur Rakete umgebaut wurde. Das fast himmelstaugliche Gefährt zog ein Banner mit der Aufschrift:

„Wir fliegen vom Mond bis hin zum Mars, die ganze Welt leckt uns am Arsch!“.

Die Kartoffel auf der „Langen Bank“

Um das harte Leben in der Landwirtschaft mal hinter sich zu lassen, gab es allerlei Tanzveranstaltungen. So auch den „Kartoffelball“. Bei diesem gewann der Bauer mit der größten Kartoffel – welche meist nicht unter einem Kilogramm wog – den Preis.

Für das sittliche Benehmen auf solch einer Veranstaltung, sorgten in den meisten Dörfern die älteren Damen auf der „Langen Bank“.